Mit Brokern wie Trade Republic, Justtrade und Gratisbroker hat die dritte Broker-Generation ihre Gebühren-Offensive begonnen. Doch halten die neuen Billig-Broker was sie versprechen?

Wir haben die Angebote der neuen Broker für Sie analysiert und zeigen Ihnen, wo Sie aufpassen müssen und welche Broker tatsächlich am günstigsten sind.

Broker der dritten Generation – was macht sie so besonders?

Anfang der 90er Jahre begannen Broker wie flatex und ING, mit drastisch reduzierten Depotgebühren mit den klassischen Brokern der Hausbanken erfolgreich in Konkurrenz zu treten.

Die Folge: Sämtliche Broker waren gezwungen, ihre Gebühren zu reduzieren oder mussten einen erheblichen Kundenverlust in Kauf nehmen. Diese Billig-Broker Offensive war so erfolgreich, dass Depotgebühren inzwischen verpöhnt sind und diese nur noch bei einigen wenigen Anbietern erhoben werden.

„Die nächste Generation der Broker will die Tradekosten auf ein absolutes Minimum reduzieren oder sogar ganz eliminieren.”

⚠️ Aber: Ein kompletter Erlass sämtlicher Kosten macht natürlich keinen Sinn, da der Broker sonst Verlustgeschäfte macht. Um dennoch Geld zu verdienen, werden offensichtliche Gebühren zwar gestrichen, dafür aber an anderer Stelle wieder reingeholt. Dies geschieht meist dort, wo die Kunden keinen Verdacht schöpfen.

Mit diesen 4 Tricks arbeiten Billig-Broker

Um die aufgrund gestrichener Gebühren ausfallenden Einnahmen dennoch zu erzielen, greifen Billig-Broker im Allgemeinen auf verschiedene Taktiken zurück:

  1. Höhere Kurse
  2. Externe Gebühren
  3. Einschränkung der Produktauswahl auf Fondsgesellschaften mit höheren Gebühren
  4. Kein Xetra-Handel

Die simpelste Methode für Broker, die gestrichenen Gebühren wieder einzuholen, ist die entsprechende Anpassung des Kurses eines Wertpapiers. So könnte der Broker beispielsweise 100 € für eine Aktie verlangen, die in Wahrheit nur 99,50 € kostet. Den Differenzbetrag streicht dann der Broker ein, als Ersatz für die “entfallenen” Gebühren.

🛎️ ALSO: Überprüfen Sie zuerst den Kurs bei der Referenzbörse des Wertpapiers mit dem Kurs, den Ihr Broker verlangt!

Beachten Sie die Fremdkostenpauschale!

Beim Kauf von Wertpapieren fallen meistens auch externe Kosten an. Das können Gebühren sein, die die Fondsgesellschaft verlangt oder die Handelsplatzgebühr der jeweiligen Börse. Broker wie Trade Republic  Grhaben für diese Gebühren eine Fremdkostenpauschale von 1 eingerichtet. Diese Pauschale ist bei jeder Order zu entrichten, ganz egal, wie hoch die Fremdkosten tatsächlich sind.

„Eine beliebte Taktik bei Billig-Brokern ist die Beschränkung des Angebots auf die teuersten Fondsgesellschaften.”

Billig-Broker arbeiten vor allem mit Fondsgesellschaften, die besonders hohe Gebühren für ihre Produkte verlangen. Dadurch ergibt sich für den Broker in der Regel auch eine höhere Provision. Beispielsweise bieten sowohl Lyxor als auch iShares einen S&P 500 ETF an. Die Gebühren bei Lyxor belaufen sich auf 0,15%, während für den iShares ETF nur 0,07%  anfallen.

Warum kein Handel bei Xetra?

Eine weitere Möglichkeit für Billig-Broker, mehr Geld vom Kunden einzustreichen, ist die Wahl des Handelsplatzes. So gut wie kein Billig-Broker erlaubt den Handel über Xetra.

💡 Der Grund: Beim elektronischen Handelsportal Xetra erhalten Broker kein Geld für die Vermittlung von Anlegern. Es ist also nicht verwunderlich, dass Billig-Broker an kleinere Börsen wie Hamburg oder Düsseldorf gekoppelt sind.

Welchen günstigen Brokern Sie vertrauen können

Unserer Erfahrung nach sind die Gebührenmodelle von Billig-Brokern der dritten Generation wie Trade Republic noch nicht ausgereift. Wir empfehlen daher, bei den älteren Brokern der zweiten Generation zu bleiben. Dort können Sie auf ein transparentes Gebührenmodell vertrauen. Zu unseren Favoriten zählen die Anbieter flatex und onvista.

Anbieter:

Flatex Logo

Zu flatex
Zur onvista Bank
Kosten & Gebühren
Depotgebühr 0 € 0 €
Order Inland 3,80 € 6,50 €
Order International 9,90 € 12,50 €
Zusatzkosten je Order 0 € 1,50 €
Mindesteinlage Keine Keine
Bonus 200 € Cashback 100 € Bonus
Verfügbare Börsenplätze
USA
Kanada
Deutsche Regionalbörsen
Frankfurt am Main
Handelbare Wertpapiere
ETF
Aktien
Fonds
Anleihen
Forex
Eröffnung
Postident
Videoident
Sonstiges
Musterdepot
Bewertung der Redaktion
  • Geringe Ordergebühren
  • Mit Videoident
  • Umfangreiches Webinar-Angebot
    zur Weiterbildung
  • Deutschlandweit bestes ETF-Angebot
  • 100 € Bonus
  • App mit zahlreichen Features und Tools
  • Hohe Ordergebühren
    Geringes ETF-Angebot

Zum Antrag:

Zum flatex Depot
Zum onvista Depot

Stand Februar 2020

Fazit – Günstige Broker

Wer einen günstigen Broker mit guter Auswahl sucht, dem können wir flatex ans Herz legen. Für vorsichtige Anleger, die eine besonders konservative Anlagestrategie bevorzugen, könnte sich auch ein Blick auf onvista lohnen. Näheres können Sie in unserem Vergleich onvista oder flatex erfahren.

Vergleich  – Billig-Broker und Broker der zweiten Generation

Die Problematik, die mit den Gebührenmodellen neuer Billig-Broker einhergeht, lässt sich am besten an einem Vergleichsbeispiel verdeutlichen.

Angenommen, Sie möchten Apple-Aktien kaufen. Es gibt hier mehrere Broker, bei denen Sie diese Aktie erwerben können. Einer davon ist Trade Republic, die gleiche Aktie gibt es auch bei onvista.

⚠️ Vorsicht:  Während beide Anbieter die gleiche Aktie anbieten, unterscheidet sich der Kurs. Bei onvista betrug der Kurs am 4. März zwischen 19.20 Uhr und 19.30 Uhr 169,35 €. Zur gleichen Zeit hätten Sie bei Trade Republic 269,90 € pro Aktie gezahlt.

Billig Broker Trade Republic Screenshot Apple(1)

Trade Republic verlangt für die Apple-Aktie einen Kurs von 269,90 € © Trade Republic

Während bei onvista zum gleichen Zeitpunkt der Kurs um 55 Cent billiger ist © onvista

Die 55 Cent, die Sie bei Trade Republic mehr bezahlen, liegen natürlich deutlich unter den 5 €, die onvista pro Order veranschlagt.

ABER:  Die 5 € Ordergebühr sind unabhängig vom Ordervolumen. Da sich nur die wenigsten eine einzige Apple-Aktie kaufen werden, zahlen Sie bei entsprechend hohem Ordervolumen bei Trade Republic schnell mehr als die 5 € Ordergebühr von onvista.

Aktie Broker Kurs bei Broker Stüchkzahl Gesamtpreis Versteckte Gebühr
Apple onvista 269,35 € 10 Aktien 2693,50 € 0 €
Apple Trade Republic 269,90 € 10 Aktien 2699 € 6,50 €

Im obigen Beispiel wird deutlich, dass die versteckte “Ordergebühr” bei Trade Republic bereits ab 10 Aktien die Ordergebühren von onvista übersteigt. Bedenken Sie, dass pro zusätzlich gekaufter Aktie weitere 55 Cent anfallen.

==> ALSO: Bei Trade Republic zahlen sie höhere Gebühren, wenn sie nicht in äußerst kleinen Mengen einkaufen. Denn die versteckten Kosten werden umso höher, je mehr Aktien sie kaufen.

Fazit – Billig-Broker noch nicht ausgereift

Wie immer gilt der Grundsatz, dass jeder Broker auf einen bestimmten Anlegertyp mit bestimmten Strategien ausgerichtet ist. Dies gilt auch für die neuesten Broker: Es kann durchaus vorkommen, dass einige Anlegertypen mit dem Modell von Trade Republic & Co. besser fahren als mit konventionelleren Anbietern.

Wenn sich das Konzept dieser neuartigen Broker aber nicht ändert, wird es immer ein Nischenmodell bleiben, denn die meisten Anleger setzen zurecht auf herkömmliche Strategien, die nie an Gültigkeit verlieren.

Trade Republic & Co. müssen also noch ein wenig an Ihrem Konzept feilen und lieber auf Lock-Angebote der Billig Broker verzichten, da der Kunde letztendlich nicht besser und meistens sogar schlechter wegkommt als bei transparenteren Anbietern.

Daniel Teplan Finanzredakteur Geldanlage und Geschäftskonten

Vor dem Studium der Computerlinguistik an der LMU München war Daniel Teplan 4 Jahre lang als Junior Editor der Branchenfachzeitschrift Musikmarkt tätig. Dort sammelte er umfassende Erfahrung in der Berichterstattung über finanzielle und administrative Vorgänge der gesamten Musikbranche. Während des Studiums arbeitete er 1 Jahr lang in der Development-Abteilung eines chinesischen Investmentunternehmens für Umwelttechnologie in Shenzhen. Die dort erworbenen Kenntnisse über digitale Anforderungen des modernen Finanzmarkts trugen wesentlich zu seiner Entwicklung als Finanzredakteur bei finanzvergleich.com bei.