Die meisten Banken vergeben ihre Kredite nicht zu einem einheitlichen Zinssatz, sondern legen die Zinsen nach der Bonität ihrer Kunden fest. Zu welchen Konditionen Sie Ihren Kredit erhalten können, lässt sich daher nicht auf Anhieb erkennen. Der Zweidrittelzins soll in solchen Fällen Orientierung schaffen und den Vergleich verschiedener Kreditangebote vereinfachen. Doch tut er das auch?

Was sich hinter dem Zweidrittelzins verbirgt, wo Sie ihn finden und welche Aussagekraft er wirklich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Für Schnell-Leser

  • Der Zweidrittelzins sagt aus, zu welchem maximalen Zinssatz mindestens zwei Drittel der Kunden einer Bank finanzieren.

  • Der Zins ist Teil des repräsentativen Beispiels, das Banken und Kreditvermittler bei der Bewerbung von Darlehen angeben müssen.

  • Der Zweidrittelzins soll den Vergleich von Krediten erleichtern – insbesondere von solchen mit bonitätsabhängiger Verzinsung.

  • Das tut er aber nur bedingt. Die gesetzlichen Vorgaben zur Festlegung des Zweidrittelzinses sind dafür zu ungenau.

  • Am zuverlässigsten vergleichen Sie Kredite, indem Sie persönliche Kreditangebote bei verschiedenen Banken einholen.

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Definition:

Was ist der Zweidrittelzins?

Der Zweidrittelzins (oft auch Zwei-Drittel-Zins oder 2/3-Zins geschrieben) ist derjenige Zinssatz, den mindestens zwei von drei Kunden höchstens für einen Kredit bei derselben Bank bezahlen.

Der Zinssatz ist Teil des gesetzlich vorgeschrieben repräsentativen Beispiels.

Die Preisangabenverordnung (kurz: PAngV) besagt im Wesentlichen: Wann immer eine Bank einen Kredit bewirbt, muss sie an einem realistischen Beispiel die Kosten ebendieses Kredites vorrechnen. Vergibt sie den Kredit zu einem bonitätsabhängigen Zinssatz, so muss sie für das Beispiel besagten Zweidrittelzins verwenden.

Im Original-Wortlaut:
Das sagt §6a PAngV zum Zweidrittelzins

“Bei der Auswahl des Beispiels muss der Werbende von einem effektiven Jahreszins ausgehen, von dem er erwarten darf, dass er mindestens zwei Drittel der auf Grund der Werbung zustande kommenden Verträge zu dem angegebenen oder einem niedrigeren effektiven Jahreszins abschließen wird.”

Beispiel

Eine Bank vergibt ihren Kredit zu einem effektiven Jahreszins von 2,00–4,00 %.

30 von 100 Kunden erhalten diesen Kredit zum günstigsten Zins von 2,00 %. 40 Kunden zahlen einen mittleren Zins von 3,00 %, die übrigen 30 Kunden zahlen den maximalen Zins von 4,00 %.

70 von 100 Kunden (also etwas mehr als zwei Drittel) finanzieren zu einem Zinssatz von 3,00 % oder einem günstigeren Zinssatz. Der Zweidrittelzins liegt bei 3,00 %.

Klein gedruckt:

Wo finde ich den Zweidrittelzins?

Den Zweidrittelzins finden Sie im Normalfall im Kleingedruckten oder als Teil eines Sternchentextes. Da er zum repräsentativen Beispiel gehört, halten Sie am besten nach Formulierungen wie “Repräsentatives Beispiel nach §6a PAngV”, “2/3-Beispiel” oder “2/3 aller Kunden erhalten” Ausschau. Dann ist auch der Zweidrittelzins nicht mehr weit.

Der Zweidrittelzins ist Teil des repräsentativen Beispiels.
Der Zweidrittelzins ist Teil des repräsentativen Beispiels.

In unserem Kreditvergleich finden Sie den Zweidrittelzins als Teil des repräsentativen Beispiels immer unterhalb des Vergleichseintrags. Im Fall von Ofina liegt der nominale Zweidrittelzins beispielsweise bei 4,16 %, der effektive bei 4,24 % pro Jahr.

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Funktion:

Welchen Zweck erfüllt der Zweidrittelzinssatz?

Der Zweidrittelzins hat im Wesentlichen zwei Funktionen:

Er soll bonitätsabhängige Zinsen vergleichbar machen.

Die meisten Banken legen die Zinsen individuell für jeden Kreditnehmer fest – und zwar danach, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieser den Kredit planmäßig zurückzahlt. Solche bonitätsabhängigen Zinsen, die von Faktoren wie Einkommen, Schufa und Kreditsicherheiten abhängen, variieren naturgemäß von Kunde zu Kunde. Das erschwert einen Zinsvergleich.

Der Zweidrittelzins soll hier Abhilfe schaffen und einen Eindruck von den Zinsen vermitteln, die für die Mehrheit der Kunden realistisch sind.

Er soll Schaufensterzinsen als solche entlarven.

Bei Krediten mit bonitätsabhängigen Zinsen wird gern mit dem niedrigsten Zinssatz geworben. Das Problem daran: Der Minimalzins gilt oft nur für besonders finanzstarke Kunden – also für die, die den Kredit eigentlich am wenigsten bräuchten.

Der Zweidrittelzins soll zeigen, wie realistisch die beworbenen Zinsen für Kunden mit “normaler” Bonität sind. So wird schnell deutlich, was Schaufensterzins ist und was nicht: Je weiter Minimal- und Zweidrittelzins auseinanderliegen, desto eher handelt es sich um ein Lockangebot.

Aussagekraft:

Wie zuverlässig ist der Zweidrittelzins?

Der Zweidrittelzins soll Transparenz schaffen. Doch das tut er nur bedingt. Grund dafür sind die recht unkonkreten Regelungen zur Festlegung des Zweidrittelzinses:

  • Ungenauigkeit #1: Das 2/3-Beispiel muss sich auf mindestens zwei Drittel aller Kunden beziehen.
    Das können genau 67 von 100 Kunden sein, aber ebenso gut auch 100 von 100.

  • Ungenauigkeit #2: Der Zweidrittelzins sagt aus, was die Mehrheit der Kunden höchstens zahlt.
    Die 67 bis 100 von 100 Kunden zahlen nicht zwingend alle den Zweidrittelzins. Ihr Kreditzins kann auch niedriger ausfallen.

Die Folge: Es bleibt Interpretationsspielraum, der den Informationsgehalt des Zweidrittelzinses schmälert. Was das im Extremfall bedeuten kann, zeigt das folgende Beispiel.

Beispiel

Bank A und Bank B vergeben ihre Kredite beide zu einem effektiven Jahreszins von 2,00–4,00 %.

Bei Bank A erhält einer von 100 Kunden seinen Kredit zu 2,00 % effektivem Jahreszins. 66 Kunden zahlen 3,00 %. Die übrigen 33 Kunden zahlen 4,00 %.

67 von 100 Kunden (also genau zwei Drittel) finanzieren zu einem Zinssatz von 3,00 % oder einem günstigeren. Der Zweidrittelzins von Bank A beträgt demnach 3,00 % effektiv pro Jahr.

Bei Bank B erhalten 66 von 100 Kunden ihren Kredit zu 2,00 % effektivem Jahreszins. 33 Kunden zahlen 3,00 %, ein Kunde zahlt 4,00 %.

99 von 100 Kunden (also deutlich mehr als zwei Drittel) finanzieren zu einem Zinssatz von 3,00 % oder einem günstigeren Zinssatz. Der Zweidrittelzins von Bank B beträgt damit ebenfalls 3,00 % effektiv pro Jahr.

ABER:

Die Zweidrittelzinsen beider Banken mögen dieselben sein – die tatsächlichen Zinsen sind es aber nicht. So liegt der durchschnittliche Zins von Bank A bei 3,32 % effektiv pro Jahr und damit oberhalb des Zweidrittelzinses. Der durchschnittliche Zins von Bank B liegt dagegen bei 2,35 % effektiv pro Jahr und damit deutlich unterhalb des Zweidrittelzinses.

Kurz: Die Zinsen bei Bank B fallen mehrheitlich günstiger aus als bei Bank A. Am Zweidrittelzins lässt sich das allerdings nicht erkennen.

Alternative:

Wäre es nicht sinnvoller, Banken müssten einen Durchschnittszins angeben?

Beim Blick auf das Beispiel oben könnte man meinen: Müssten Banken ihren Durchschnittszins offenlegen, so wäre die Anbieterwahl schnell entschieden. Sicherlich wäre ein solcher Zins aussagekräftiger und vor allem greifbarer als der Zweidrittelzins. Doch weder sind Banken zur Veröffentlichung ihrer Zinsen verpflichtet, noch würde das hundertprozentige Transparenz schaffen. Denn es gibt einen Faktor, den kein Zinssatz dieser Welt abbilden kann: die Annahmekriterien der Banken.

Eine Bank, die wie Bank B unseres Beispiels besonders günstige Kredite vergibt, mag auf den ersten Blick die beste Wahl sein. Doch womöglich sind ihre Zinsen nur deshalb so niedrig, weil sie nur Kunden mit besonders guter Bonität akzeptiert. Im Umkehrschluss mag eine Bank wie Bank A unseres Beispiels teuer erscheinen. Doch vielleicht ist sie die einzige, die auch Kunden mit “normaler” Bonität akzeptiert.

Kurzgefasst: Weder eine Zweidrittelmehrheit noch ein Durchschnitt verraten Ihnen, ob und zu welchen Konditionen Sie Ihren Kredit erhalten.

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Fazit:

Der Zweidrittelzins kann ein persönliches Kreditangebot nicht ersetzen

Der Zweidrittelzins bietet eine erste Orientierung, wenn es um den Vergleich von bonitätsunabhängig verzinsten Krediten geht. Er offenbart sogar, wenn eine Bank mit besonders günstigen, aber für die Allgemeinheit unrealistischen Zinsen wirbt. Für einen zuverlässigen Kreditvergleich reicht er aber bei Weitem nicht aus.

Die zentrale Frage lautet nicht: Welche Bank bietet die günstigsten Kredite? Die zentrale Frage lautet: Welche Bank macht Ihnen das beste Angebot? Und die können Sie erst beantworten, nachdem Sie eine individuelle, auf Sie und Ihren Finanzierungswunsch zugeschnittene Anfrage bei den Banken gestellt haben.

Unser Rat: Entscheiden Sie ruhig anhand des Zweidrittelzinses, bei welcher Bank Sie als erstes ein persönliches Angebot einholen. Doch belassen Sie es nicht dabei – fragen Sie auch bei anderen Banken an, um zu erfahren, welche Ihnen Ihren Wunschkredit zum besten Zins gewährt.

Tipp der Redaktion:

Über unseren Kreditvergleich können Sie mit nur einer Anfrage Angebote bei gleich mehreren Banken auf einmal einholen. Dies ist für Sie kostenlos und verpflichtet Sie nicht zum Kreditabschluss.

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Für diesen Beitrag haben wir unter anderem folgende Quellen herangezogen:

  • Gesetzliche Regelungen gemäß Preisangabenverordnung (insbesondere §6a PAngV)
  • Repräsentative Beispiele diverser Banken

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Franziska Händschel Finanzredakteurin Banking & Finanzierung

Franziska Händschel ist seit 2013 als Finanzredakteurin tätig. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Online-Redakteurin und Übersetzerin für ein auf Edelmetallinvestments spezialisiertes Newsportal. Ab 2015 war sie als Online-Finanzredakteurin und später Leiterin der Finanzredaktion für das Vergleichsportal CHECK24 tätig. Ihre berufliche Leidenschaft gilt den klassischen Verbraucherfinanzprodukten vom Girokonto bis zur Baufinanzierung. Seit 2020 berichtet Franziska Händschel für finanzvergleich.com über ebendiese Bankprodukte sowie Trends im Finanzwesen.

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