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„Bayern lieben es bekanntlich gemütlich, was sich auch in unserem Investment-Ansatz widerspiegelt” – Bavarian Value Interview

Dani und Andi aus dem bayerischen Burglengenfeld bei Regensburg haben sich dem “Bavarian Value Investing” verschrieben. Was es damit auf sich hat und was ihr gleichnamiger Blog Privatanlegern zu bieten hat, erfahren Sie unserem Finanzvergleich Exklusiv-Interview.

Finanzvergleich.com: Der Name „Bavarian Value“ verrät bereits, dass Ihr Euch dem „Value Investing“ verschrieben habt. Könnt Ihr die Technik des „Value Investing“ kurz für uns definieren?

Andi: Im Gegensatz zu vielen Meinungen im Internet ist der Begriff Value Investing für mich relativ vielschichtig und umfasst viel mehr als die ursprüngliche Definition. Die Wurzeln des Value Investing führen zu Benjamin Graham, der das erste Mal den Unterschied zwischen Spekulation und Investition folgendermaßen definierte:

„Eine Kapitalanlage liegt dann vor, wenn sie nach gründlicher Analyse die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und einen angemessenen Gewinn verspricht. Anlagen, die diesen Kriterien nicht entsprechen, sind spekulativ.“

Im Prinzip geht es bei Value Investing darum, Marktineffizienzen ausnutzen, weil wir der Meinung sind, dass der Markt nicht immer perfekt ist und auch nicht immer rational agiert. Er ist es größtenteils, aber eben nicht immer.

Dani: Vom Grundsatz geht es „leidglich“ darum Unternehmensanteile, sprich Aktien, von Unternehmen zu kaufen, die mehr wert sind als es der aktuelle Aktienkurs gerade anzeigt. Das hat auch erst einmal nichts mit geringem KGV, KBV oder ähnlichen Kennzahlen zu tun. Diese können zwar ein Indiz für eine Unterbewertung sein, aber Value Investing nur anhand von bspw. einem niedrigen KGV festzumachen, ist uns zu einfach. Auch „Growth“-Aktien können unter Value Investing fallen, wenn man davon überzeugt ist, dass diese mehr wert sind, als es der aktuelle Kurs widerspiegelt – es schließt sich gegenseitig nicht aus.

Wie unterscheidet sich Euer „Bavarian Way of Value Investing“-Ansatz von anderen Strategien?

Andi: Während Value Investing zu Zeiten Grahams und bei den Anfängen von Warren Buffett noch hauptsächlich darin bestand, günstige Aktien zu kaufen, hat sich der Fokus vieler Value Investoren in Richtung Qualität verschoben. Wir betreiben Value Investing als eine Mischung aus „Old-School“-Value Investing, Quality Investing und Growth Investing. Das bedeutet wir schauen durchaus auf den Preis, wollen aber qualitativ hochwertige Unternehmen im Depot haben. Die Bayern lieben es ja bekanntlich gemütlich und das spiegelt sich in unserem Investmentansatz auch wider. Wir haben keine Lust täglich die Kurse zu beobachten und dann panisch zu kaufen oder zu verkaufen. Deswegen investieren wir viel Zeit in die fundamentale Analyse der Unternehmen und nur wenn wir wirklich überzeugt sind kaufen wir Aktien und halten diese sehr lange.

Dani: Wir haben das Rad sicher nicht neu erfunden. Wir nehmen die Ideen der erfolgreichsten Investoren, die uns am sinnvollsten erscheinen, und binden diese in unsere Strategie ein. Mohnish Pabrai nennt das Shameless Cloning und lustigerweise haben wir das eben auch von ihm adaptiert. Die Wichtigkeit des Preises haben wir bspw. von Graham („A great company is not a great investment if you pay too much for the stock.“) und vom frühen Warren Buffett, wobei unser Qualitätsanspruch an die Unternehmen eher von Charlie Munger, Philip Fisher und Peter Lynch kommt. Unterm Strich möchten wir in qualitativ hochwertige und erfolgreiche Unternehmen investieren, die mehr wert sind, als sie aktuell „kosten“ und uns langfristig an deren Unternehmenserfolg beteiligen.

Welche Art von Anleger wollt Ihr mit Eurem Blog und Eurem Investment-Ansatz vor allem erreichen?

Dani: Leute, die zu uns kommen, haben schon ein gewisses Grundverständnis von der Börse. Dabei möchten wir sowohl für Kleinanleger als auch alte Hasen neue Denkanstöße und Aktienanalysen anbieten.

Andi: Für Börsenneulinge gibt es bereits genügend Blogs, die die grundlegenden Börsenthemen („Was ist eine Aktie?“) behandeln. Wir sind die Anlaufstelle für danach. Unser Blog ist für Kleinanleger und Investoren gedacht, die in Einzelaktien langfristig investieren und einen fundamentalen Ansatz fahren möchten. Dabei haben wir uns vor allem auf ausführliche Aktienanalysen spezialisiert, wobei es natürlich auch genügend Artikel zur wunderbaren Welt des Value Investings gibt.

Eine eigene Anlagestrategie denkt man sich nicht von heute auf morgen aus. An welchen Grundsätzen habt Ihr euch als Anfänger orientiert? Was waren/sind Eure Vorbilder?

Andi: Wie meistens im Leben ist unsere Anlagestrategie durch einen langen Prozess entstanden und hat sich im Laufe der Zeit immer mehr herauskristallisiert. Dabei ist nicht gesagt, dass sie in Stein gemeißelt ist. Wir versuchen uns ständig weiterzuentwickeln und erlauben uns auch keine Denkverbote. Wir hinterfragen uns bei Erfolgen genauso wie bei Misserfolgen und dummen Fehlern. Meine persönlichen offensichtlichen Vorbilder sind neben Benjamin Graham, der als Urvater des Value Investings gilt, natürlich auch Warren Buffett und Charlie Munger, die die meisten wohl kennen dürften. Verschiedene Ansätze haben einen Einsatz bei uns gefunden. Von Graham haben wir das Konzept der Sicherheitsmarge übernommen, die uns vor eigenen Fehlern schützen soll und bei der Bewertung von Bedeutung ist. Warren Buffett ist ein großer Freund davon, sich immer weiterzubilden und zu lesen, was er die meiste Zeit macht. Von Guy Spier und Charlie Munger haben wir Checklisten übernommen, die bei der Beurteilung von unschätzbarem Wert sind, um auch wirklich kein Kriterium, welches einem wichtig ist, zu vergessen.

Dani: Angefangen hat es wohl damals mit Warren Buffett. Über ihn haben wir als Erstes gelesen und sind so auf den Geschmack gekommen. Wie Andi schon sagte, hat es sich daraus dann nach und nach entwickelt und unsere Strategie wird sich auch zukünftig weiterentwickeln. Wir werden auch weiterhin neue Ideen und Ansätze prüfen und integrieren, wenn sie uns sinnvoll erscheinen. Und vor allem werden wir nach wie vor aus unseren eigenen Fehlern lernen und somit unsere Strategie Schritt für Schritt verbessern.

Wie lange hat es gedauert, bis daraus Eure eigene Investment-Philosophie entstanden ist? Welche Rolle spielen dabei persönliche Börsen- und Lebenserfahrungen und welche anderen Zutaten sind wichtig, um seinen eigenen Ansatz zu entwickeln?

Andi: Vor ca. 5 Jahren haben wir angefangen, uns mit Value Investing zu beschäftigen. Wie bereits erwähnt ist das Ganze aber immer noch ein fortwährender Prozess. Persönliche Erfahrungen spielen hier natürlich eine gravierende Rolle. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir der Value Investing Ansatz mit seiner Einfachheit von Anfang an sympathisch war. Ich denke, es ist wichtig nicht blind irgendwelchen Gurus zu vertrauen, sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Das heißt nicht, dass man nicht aus Fehlern anderer lernen kann. Es ist essentiell sich auf dem Gebiet immer weiterzubilden und einfach viel zu lesen. Man muss auch ein gutes Stück selbstkritisch sein und seine eigenen Fehler knallhart analysieren und aufarbeiten, um voranzukommen.

Dani: Man muss unabhängig denken. Inspiration von anderen holen ist immer richtig (Stichwort: Shameless Cloning), aber das ist dann eben auch nur eine Inspiration. Man muss sich seine eigenen Gedanken machen und für sich selbst entschieden, wie sinnvoll etwas ist – egal, ob man jetzt in eine Aktie investieren oder einen Investmentansatz übernehmen möchte. Du musst es verstehen und es muss für dich Sinn ergeben. Die eigenen Börsenerfahrungen definieren dich ebenfalls als Investor. Deine eigenen Fehler bringen dich am meisten weiter auf deinem Weg als Investor. Aber man muss eben nicht alle Fehler selbst machen. Es gibt ein sehr passendes Zitat hierzu von John Bogle: „Learn every day, but especially from the experiences of others. It’s cheaper!

Was macht Ihr hauptberuflich? Haben eure Erfahrungen im Beruf Einfluss auf Euer Verhalten an der Börse und/oder umgekehrt?

Andi: Ich bin seit kurzem als Datenanalyst bei einem weltweit tätigen Automobilzulieferer im Bereich Investor Relations tätig. Hier gibt es natürlich einige Überschneidungspunkte, da ich täglich mit Themen des Kapitalmarktes zu tun habe. Dennoch muss ich sagen, dass mein Beruf eher weniger Einfluss auf meine Grundsätze und Investmentphilosophie hat. Aber in diesem Umfeld lerne ich natürlich trotzdem täglich dazu und bin in der wirklich glücklichen Lage hautnah mitzuerleben, wie Investorenpflege auf Unternehmensebene funktioniert.

Dani: Ich bin IT Produktmanager bei einem der größten Lebensmitteldiscounter Deutschlands. Auswirkung auf meine Investmentstrategie hat das jetzt weniger, aber man läuft immer mal wieder interessanten Unternehmen über den Weg bei denen sich ein genauerer Blick lohnen könnte.

Was waren Eure bislang größten Erfolge/Misserfolge an der Börse und welche Schlüsse habt Ihr jeweils daraus gezogen?

Andi: Es passieren immer wieder Fehler. Beispielsweise hätte ich schon des Öfteren mehr Geld in gewisse Investments stecken können, als diese günstig waren, war dann aber zu zögerlich. Oder aber, dass ich Aktien von Capri Holdings viel zu früh gekauft habe. Wir sind der Meinung, dass Capri ein typischer Turnaround ist. Trotzdem hätten wir ruhig noch etwas abwarten können, aber wir sind leider zu früh eingestiegen.

Renditetechnisch der größte Erfolg ist sicherlich die Apple Aktie, die ich vor einigen Jahren bereits gekauft und nach wie vor im Depot habe. Aber auch wenn man solche Perlen wie Games Workshop Group entdeckt und darin investieren kann, ist so etwas für mich immer ein großer Erfolg, weil einfach alles passt.

Dani: Uns sind, wie Andi schon gesagt hat, schon so einige Fehler beim Investieren passiert. Zu früh eingestiegen (Pandora und Capri), ein glücklicherweise unbestrafter Bewertungsfehler bei Airports of Thailand – die Liste ist lang. Aber mein persönlich größter Fehler war wohl meine erste Aktie – die Commerzbank. Der Fehler war nicht, dass ich eine Aktie gekauft habe, sondern wie ich sie gekauft habe. Ich hatte mir keine Zahlen angesehen, ich wusste nicht wirklich, wie sie ihr Geld verdienen, ich kannte mich in der Branche nicht aus. Ich wusste nur, dass es ist eine Bank ist und man davon Aktien kaufen kann. Das alles endete 5 Jahre später, als ich angefangen habe, mich mit Value Investing zu beschäftigen, mit einem Verlust von über 60 % – sagen wir es war Lehrgeld.

Die Erfolge sind schlussendlich bei Weitem nicht so interessant wie die Fehler, da man daraus meist weniger lernen kann oder es zumindest viel schwieriger ist daraus Schlüsse zu ziehen, um ein besserer Investor zu werden. Daher mache ich es kurz und knapp. Allein auf die Rendite bezogen ist es, wie bei Andi auch, Apple.

Wie habt Ihr auf den Covid-19-Crash reagiert?

Andi: Da ich 2008 bei der großen Finanzkrise noch keine Aktien besessen habe, war ich im Vorfeld wirklich gespannt, wie ich auf einen Crash reagiere. Und ich muss sagen unsere Strategie hat sich ausgezahlt. Wir waren recht entspannt und konnten die Situation nutzen, um ein paar Aktien neu ins Depot zu holen und ein paar Positionen auszubauen. Wie eingangs erwähnt, haben wir nur Investments, mit denen wir beruhigt auch ein paar Jahre auf unruhiger See überstehen, und das Gefühl war während des Crashs nicht anders. Natürlich sieht es nicht schön aus, wenn man eine Zeit lang dick im Minus ist, aber schlussendlich wusste ich einfach, was für tolle Unternehmen wir haben, die langfristig einfach klasse sind.

Dani: Es war unser erster Crash, seitdem wir „ernsthaft“ investieren. Und natürlich waren wir gespannt, wie wir letztendlich reagieren werden. Und eigentlich haben wir so reagiert, wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir haben vor ungefähr 5 Jahren mit Value Investing begonnen. Als Value Investoren, die auch auf den Preis achten, waren die letzten Jahre eher eine Durststrecke. Egal wie viele Unternehmen wir analysierten, die meisten waren uns zu teuer, sprich zu hoch bewertet. Als der Crash kam, hatten wir plötzlich eine Auswahl an tollen Unternehmen vor uns, in die wir investieren konnten. Das waren wir so gar nicht gewöhnt. Rein aus Investorensicht war es sogar so, dass ich mich persönlich gefreut hatte, wenn die Kurse weiter sanken – mehr Unternehmen zu Schnäppchenpreisen. Ich hatte eher meine Probleme mit dem raschen Anstieg. Wir hatten uns darauf „eingegroovt“ wöchentlich oder alle zwei Wochen weitere Aktien zu kaufen, egal ob es neue Positionen waren oder wir bestehende ausgebaut haben. Dann ging es aber so rasant bergauf, dass uns trotzdem einige Chancen „davongelaufen“ sind, wie z. B. Games Workshop, von denen wir gerne noch deutlich mehr Aktien hätten als unsere erste kleine Position. Das war dann doch etwas deprimierend. Generell finde ich, dass der Ansatz im Crash peu à peu nachzukaufen immer noch richtig ist, aber wir hätten wohl doch noch etwas „aggressiver“ zu Werke gehen können.

Wenn Ihr nur einen Rat an Börseneinsteiger geben dürftet, welcher wäre das?

Andi: Ganz klar: Lesen, lesen und nochmal lesen. Mir war früher nicht bewusst wie wichtig das ist. Aber in manchen Büchern steckt die Lebensweisheit eines ganzen Menschenlebens. Und das Gute daran ist, dass man keine 80 Jahre braucht, um auf gewisse Erkenntnisse zu kommen, sondern man kann in ein paar Tagen neues Wissen ansammeln. Das ist an der Börse besonders wichtig, um auch standhaft zu bleiben, wenn unweigerlich einmal mächtig Gegenwind kommt und man trotzdem zu seiner Strategie stehen will.

Dani: Generell möchte ich mich hier Andi anschließen, würde aber noch etwas ergänzen: Sich weiterbilden ist immer wichtig und vor allem an der Börse, aber nur durch lesen wird man nicht zum Investor. Man muss auch in die Umsetzung kommen und zudem auch seine eigenen Fehler machen.

 

Inzwischen habt Ihr über 10 Jahre Erfahrung an der Börse gesammelt und betreibt nebenbei auch noch einen erfolgreichen Blog. Was würdet Ihr heute rückblickend anders machen als zu Beginn Eures Weges?

Dani: Die 10 Jahre beziehen sich wohl auf meine erste Commerzbank-Aktie, oder? Ob man diese Anfänge als „wirkliche“ Börsenerfahrung zählen lassen kann, bezweifle ich aktuell. „Ernsthaftes Investieren“ bzw. das, was wir heute als den Bavarian Way of Value Investing bezeichnen, betreiben wir seit ungefähr 5 Jahren. Und heute würde ich mir wünschen, dass wir bereits 2010 oder zumindest früher angefangen hätten, uns ausführlich über Value Investing zu informieren, unsere eigene Strategie zu finden und dementsprechend zu investieren. Sonst würde ich eigentlich gar nicht viel anders machen wollen, da uns unsere Fehler genau zu den Investoren gemacht haben, die wir heute sind, und damit sind wir im Moment doch recht zufrieden – bis wir neue Fehler machen und wieder daraus lernen können.

Das Interview wurde am 20.09.2020 geführt. Wir bedanken uns bei Dani und Andi, dass sie sich die Zeit genommen haben. Das Interview wurde am 20.09.2020 geführt. Mehr hochwertigen Content rund um das Thema Börsenanlagen gibt es unter bavarian-value.de

Andi

„Ich heiße Andreas Kuhn, bin 30 Jahre alt und komme aus Burglengenfeld in der Nähe von Regensburg. Ich habe zusammen mit Dani Volkswirtschaftslehre studiert und bin seit einigen Jahren leidenschaftlicher Value Investor."



Dani

„Mein Name ist Daniel Bleicher, ich bin 29 Jahre alt, komme aus dem schönen Regensburg im Herzen Bayerns und bin überzeugter Value Investor. Während unseres VWL-Studiums - Andi und ich kennen uns seit mittlerweile gut 15 Jahren und haben auch zusammen studiert – haben wir angefangen uns privat über das Thema Value Investing zu informieren. Mittlerweile verwalten wir ein wikifolio, in dem wir unsere Strategie umsetzen und betreiben den Anfang 2018 von uns ins Leben gerufenen Value Investing Blog Bavarian Value."

2020-10-29T11:30:03+01:0016. Oktober 2020|Geldtipps|